I’m still fucking angry

Review von boysetsfire – While A Nation Sleeps …

Dieses ständige “Wir lösen uns für immer auf und machen dann doch eine Reunion”-Gehabe ist mittlerweile nur noch nervig und langweilig. Wer Boysetsfire nach der überraschenden Wiedervereinigung noch einmal live gesehen hat, merkte allerdings: die falsche Pause hat zumindest dieser Band echt gut getan. Besetzungswechsel, Label-Konflikte – das alles haben die Hardcore-Urgesteine erfolgreich hinter sich gelassen. Jetzt erscheint nach sieben Jahren am siebten Juni ihr neues Album „While A Nation Sleeps…“.

Die Fakten

Nach fast 20 Jahren Bandgeschichte gehen Boysetsfire mit ihrem neuesten Longplayer „back to the roots“: „While A Nation Sleeps…“ wurde von Gitarrist Chad Istvan im eigenen Studio produziert. An den Aufnahmen wirkten nur die Bandmitglieder selbst und engste Freunde mit. Den abschließenden Soundmix übernahm dann Lou Giordano (Hüsker Dü, Sunny Real Estate). Herausgekommen sind 13 Songs zwischen Hardcore und Punkrock. Also alles wie gehabt?

Die Musik

Für Boysetsfire typisch sind sowohl relativ harte Stücke als auch melodische Balladen. Nach der doch relativ krassen 7‘‘ „Bled Dry“ hätte man erwarten können, dass die Band nun vollständig ihrem soften Kern entsagt hat. Der Opener „Until Nothing Remains“ macht dieser Vermutung alle Ehre. Stücke wie „Wolves from Babylon“ oder „Far From Over“ hauen in die gleiche, harte Kerbe. In Letzterem heißt es „Yeah I’m still fucking angry“. Merkt man! War auch nötig nach dem teils weichgespülten Vorgänger „The Misery Index“.
Nichtsdestotrotz kriegen die Melodiker unter uns ihre ruhigen Parts: Zeitweise gibt es einen abwechslungsreichen Tempo-Mix („Heads Will Roll“) oder auch direkt ein ganzes Liebeslied („Reason to Believe“). Damit wäre man dann wieder beim Boysetsfire-typischen Stil angelangt. Nur klingt es diesmal lebenslustiger, frischer, energiegeladener.

Die Lyrics

Ein besonderer Touch des Albums: Immer wieder werden Stücke der populären „Great Dictator Speech“ von Charlie Chaplin eingespielt. Schließlich sind Boysetsfire schon immer eine durchaus politische und engagierte Band gewesen. Von allzu offensichtlichen Aussagen hat die Band allerdings Abstand genommen. Laut Sänger Nathan Grey möchten Boysetsfire ihren Fans nicht diktieren, was sie zu denken haben. Dementsprechend seien die Lyrics ein „outburst of love, anger, hope, and the inspiration to question everything”. Und tatsächlich: es ist von “I” und “we” und “they” die Rede und von Plätzen auf der Welt, oft kombiniert mit biblischen Analogien und Todesthematik. Das Konkrete muss sich der Hörer dann selbst zusammen reimen. Der perfekte Weg, um die Songs von „While A Nation Sleeps…“ zu etwas ganz Persönlichem zu machen.

Das Fazit

Boysetsfire haben ihr Rad nicht neu erfunden. Hardcore-Riffs vs. Punkrock-Singalongs und lesenswerte Texte waren schon immer ihr Steckenpferd. Dennoch kann „While A Nation Sleeps…“ durchaus überzeugen. Ein guter Neuanfang!

(Übrigens sagte Nathan Gray letztens in einem Interview, sie hätten die Auflösung einfach einen „Hiatus“ nennen sollen – hättet ihr, ja! Das erspart so einiges Kopfschütteln.)

Das review wurde verfasst für radio96acht Bonn!

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