I don’t owe anyone, I don’t owe anything so stop expecting everything from me

Bericht: Touché Amoré, Self Defense Family, Dad Punchers @ Gebäude 9, Köln
Touché Amoré waren seit 2010 nicht mehr auf Headliner-Tour in Deutschland. Mit La Dispute, Rise Against und Converge hatte die Band dennoch genug Möglichkeiten unser Land zu bespielen – und dank Visions-Cover und nun zwei Alben bei Deathwish Inc. auch einen so hohen Bekanntheitsgrad, den man im Hardcore wohl als „Mainstream“ bezeichnen würde. Dementsprechend größer sind die Läden der 2013er Touredition. Für Köln wurde ins Gebäude 9 eingeladen.

Früh kommen lohnte sich, sind TA doch mit hervorragenden Supportbands unterwegs. Direkt um acht beginnen denn auch Dad Punchers ihr Set. Die Songs der Emo/Indiepop-Band wurden allesamt von Touché Amoré-Drummer Elliot Babin geschrieben und eingespielt. Auf Tour unterstützen ihn seine zwei TA-Kollegen Nick und Clayton sowie Wild Moth-Drummer Cal. Natürlich gibt aber Elliot den Ton an – und bedankt sich artig, in Deutschland spielen zu können. Das Land wäre „the coolest city in Europa“. Wir können wohl ebenso froh sein, das kleine Projekt Dad Punchers dank TA-Verbindung überhaupt live erleben zu können. In einer knappen halben Stunde bekommen wir die Highlights ihrer bisherigen Diskografie zu hören, z.B. „Tire Swing“ und „Redwoods“ der Selftitled-LP. Und auch die zwei neuen Lieder der Split- 7-Inch mit The Exquisites finden ihren Platz auf der Setlist. Besonders emotional: „The Haircut Man“, ein Song „about your ex falling in love with your flatmate”.

Danach gibt es erst einmal ein bisschen Pause für Elliot & Co.: Die ehemaligen End Of A Year sind dran. Das mittlerweile riesige und unter dem Namen Self Defense Family agierende Musikprojekt könnte dank Sänger Patrick Kindlon auch als Comedy-Act auftreten. Patrick wirkte beim Bochumer Tourdate so verrückt, dass ihn einige für einen Junkie hielten – was er in Köln lautstark dementiert. Er mache einen großen Bogen um Drogen und würde doch nur auf der Bühne seine Gefühle zum Ausdruck bringen. Das tat er nicht zum einen mit einem bunten Mix der Post-Hardcore-Diskographie, zum anderen mit klaren Worten: Berlin und Köln seien die einzigen Städte Europas, die er mögen würde („which also speaks a bit poorly of my person“), Leuten, die ihm ihre Religion aufzwingen, würde er mit etwas ähnlich Sinnlosen begegnen, z.B. Hundebellen („make sense or go fuck yourself“) und wie dumm seien eigentlich die Leute, die vor ihren Stagedives in die Instrumente der Musiker fassen und sich zwischen Mann und Mikro quetschen („Touché Amoré are too kind to say that“). Während er selbst also mit einem so gar nicht passendem Lächeln seinen „personal shit“ zum Besten gibt (seine Augen lassen sich nicht mehr richtig öffnen), gibt sich der Rest seiner Mitglieder stumm und routiniert. Das reicht auch völlig, der Auftritt ist so eine wortwörtlich komische, aber gelungene Mischung.

Gegen halb zehn ist’s dann Zeit für Touché Amoré im gut gefüllten Gebäude 9. Die Neu-Fans blockieren die erste Reihe, ansonsten ist das Publikum glücklicherweise gemischter als in Bochum. Es gibt sogar mehr „haha, sollen wir auch mal die front row einnehmen“-Besucher als „lass uns doch noch eine Nahaufnahme von Jeremys Gesicht machen“-Jünglinge. Dadurch ist die Stimmung konstant gut. Diese wird auch durch die Setlist gestützt: es gibt eine gelungene Auswahl der vorhandenen Stücke. Ob „~“ und „Home Away From Here“, „History reshits itself“, „Adieux” und „Gravity Metaphorically“ oder die neuen “Is Survived By”-Songs – es ist für jeden was dabei, auch wenn die Reihenfolge zwischendurch zu wünschen übrig lässt, es geht von schnell zu langsam, zu schnell zu langsam und so weiter. Und die Band an sich? Touché Amoré bzw. insbesondere Sänger Jeremy wirkten am Vortag in Bochum etwas kraftvoller, etwas emotionaler. In Köln ist es dafür faszinierend zu sehen, wie sich alle auf der Bühne über den Alt-Fan lustig machen, welcher nicht nur ganz vorne abgeht, sondern auch das ein oder andere Mal die Self Defense Family Stagedive-Regeln missachtet und somit schön auf der Bühne herumtanzt vor dem Sprung. Von ihm abgesehen trägt das Publikum aber definitiv maßgeblich zum Gelingen des TA-Auftritts bei und läuft natürlich bei der (so gar nicht überraschenden Zugabe) „Honest Sleep“ zu Höchstformen auf. Man kann zufrieden den Heimweg antreten.

(via Stageload)

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