Tune of the week: The National – Terrible Love

Diese Woche habe ich Berlin mal richtig ausnutzen können: ich besuchte nicht nur eine Show der Fashion Week und saß in der „Front Row“, ich war auch bei der Premiere von „Mistaken for Strangers„, in Anwesenheit von Matt und Tom Berninger.

Review: Mistaken For Strangers

Vom Dreh anspruchsloser Horror-Splatter-Movies zum angesagten Dokumentar-Regisseur: so lässt sich die Karriere von Tom Berninger kurz und knapp zusammenfassen. Tom Berninger, das ist der kleine Bruder von Matt Berninger, seines Zeichens Sänger der überaus gefeierten Indie Rockband The National. Während Matt die großen Bühnen der Welt besingt, hängt Tom in Cincinnati rum und bemitleidet sich selbst. Matt lädt ihn daraufhin ein, die nächste The National Tour als Roadie zu begleiten. Tom ergreift die Gelegenheit, ist aber nur ein halbwegs akzeptabler Tourbegleiter: statt Handtücher und Essen bereit zu halten, filmt er lieber alles, was um ihn herum geschieht.

Aus dem Videomaterial hätte mit Leichtigkeit eine lahme „Behind the Scenes“-Dokumentation werden können, die sich Die Hard Fans auf der Bonus DVD reinziehen. Stattdessen entsteht aus den vielen Filmschnipseln eine hochgelobte Geschichte von zwei Brüdern. Nach dem The National Hit „Mistaken for strangers“ ist sie betitelt, weil Tom und Matt außer dem schelmischen Lächeln wenig verbindet. Sie sehen sich selten, haben unterschiedliche Wertvorstellungen und stehen beruflich so weit auseinander, dass man bei Tom vermutlich das Wort „Scheitern“ in den Mund nehmen würde. Auf Tour lernen sie sich besser kennen, teilen sogar hin und wieder das Hotelzimmer – und kriegen sich des Öfteren in die Haare. Wie das mit Geschwistern nun mal so ist. Tom nimmt all diese Situationen mit in den Film auf, befragt die anderen Bandmitglieder und schafft so ein grundehrliches und gefühlvolles Portrait von sich, seinem Bruder und der Band. „Mistaken for Strangers“ wird damit zur Dokumentation des Erfolgs, des Scheiterns, von Geschwisterliebe und Freundschaft. Natürlich darf auch die Musik nicht fehlen: die musikalische Untermalung erfolgt ausschließlich mit Liedern von The National, man sieht ein paar der Live-Auftritte und Tourerlebnisse. Das ist alles so interessant, dass die 75 Minuten von „Mistaken by strangers“ knapp bemessen erscheinen. Man hätte gern noch mehr Insights, noch mehr Tourleben und noch mehr schöne Musik. So bleibt nur eine Weiterempfehlung: Zweifellos lohnenswert für Musik- oder The National Fans und alle, die genug von Action-Blockbustern und Liebesschnulzen haben.

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