God is coming back and he is going to be pissed

Review: John Niven – Gott Bewahre (The Second Coming)

Ein Buch mit einer rauchenden Jesus-Figur auf dem Cover und dem bedeutungsschwangeren Titel „Gott Bewahre“ ist vermutlich nicht der offensichtlichste Anwärter auf den netten Bonus-Aufkleber „Bestseller“. Mit Skandalautor John Niven als verantwortlichen Schreiberling ist jedoch direkt eine vielversprechende Grundlage gelegt, die schon nach ein paar Seiten den Erfolgsstatus des (neuerdings) Taschenbuchs rechtfertigt.

Wir starten im Himmel, wo Gott nach ein paar Wochen aus dem Angelurlaub wiederkommt und aufarbeiten muss, was in den letzten 450 Jahren Menschheit alles passiert ist. Seit der von ihm so geliebten Renaissance sind nicht nur zahlreiche neue Technologien entwickelt, Romane geschrieben, Songs komponiert und Filme gedreht worden, nein, es ist natürlich auch Schreckliches passiert. Ein Krieg oder Konflikt reiht sich an den anderen und selbst im Kleinen muss er sich zu viele Vergewaltigungen, Steinigungen und Schändungen ansehen. Das Schlimme: nicht selten werden die Gräueltaten religiös gerechtfertigt – in seinem Namen! Gott muss instinktiv an Moses denken, der damals aus seinem Leitsatz „Seid lieb“ zehn komische Gebote formte und all die anderen Menschen, die tagein, tagaus merkwürdige Dinge in die Bibel hineininterpretieren. Und dann noch das Konzept der Sünde… als ob ihn interessieren würde, wer sich bei ihm entschuldigt. Ihm ist nur wichtig, dass jede Minderheit auf der Welt akzeptiert wird und das scheint nicht der Fall zu sein. Nach einem kurzen Krisenmeeting beschließt Gott daher, nochmal seinen Sohn auf die Erde zu schicken. Der ständig kiffende Rockmusiker Jesus ist davon nicht sonderlich begeistert, aber was tut man nicht alles für seinen Papa. Er fliegt also zurück auf die Erde und hat allerlei Probleme, mit der Aussage „Ich bin der Sohn Gottes“ für voll gehalten zu werden. Nichtsdestotrotz versucht er an allen Ecken und Enden zu helfen und wird nach und nach zum Underdog-Helfer in New Yorks Straßen. Das reicht ihm natürlich nicht, Jesus soll ja die Welt verändern. Das scheint mittlerweile nur noch mit Erfolg, mit Einfluss zu gehen. Also braucht er einen Weg, mit seiner Musik bekannt zu werden und so „Seid lieb“ weiter zu verbreiten. Eine Castingshow erscheint ihm als der einzig mögliche Weg und somit beginnt eine denkwürdiger Roadtrip quer durch Amerika.

„Gott Bewahre“ ist bitterböse Satire, die schon per definitionem überzogen ist und mit Glauben, Drogen und Sexualität sensible Themen aufgreift. Niven ist dabei schonungslos ehrlich, durchwegs sarkastisch, karikierend und lässt kein gutes Haar an Hardline-Christen oder Papst und Kirche. Darauf muss man sich einlassen können, was gerade als Christ einen kurzen Moment der Überwindung fordern kann. Nichtsdestotrotz sind die Kritikpunkte gerechtfertigt und in einen spannenden, musikliebenden und lustigen Roman verpackt, der auch drei Jahre nach VÖ dank Ukraine-, Syrien- oder Israelkrise aktueller ist denn je.

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