Literatur

God is coming back and he is going to be pissed

Review: John Niven – Gott Bewahre (The Second Coming)

Ein Buch mit einer rauchenden Jesus-Figur auf dem Cover und dem bedeutungsschwangeren Titel „Gott Bewahre“ ist vermutlich nicht der offensichtlichste Anwärter auf den netten Bonus-Aufkleber „Bestseller“. Mit Skandalautor John Niven als verantwortlichen Schreiberling ist jedoch direkt eine vielversprechende Grundlage gelegt, die schon nach ein paar Seiten den Erfolgsstatus des (neuerdings) Taschenbuchs rechtfertigt.

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The statistical probability of love at first sight

Review: Jennifer E. Smith – The statistical probability of love at first sight (Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick)

Young Adult Romane sind nie die anspruchsvollsten. Sie sind nette, kleine Büchlein für zwischendurch, die man im besten Fall an einem Abend verschlingt. Im besten Fall. „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ beschreibt zwar nur 24 Stunden, der Lesevorgang kann sich jedoch durchaus über eine Woche erstrecken. Mal hier, mal da eine Seite – die 216 an der Zahl plätschern lieber einfach nur vor sich hin. Vermutlich ist die Story einfach zu begrenzt: Die Amerikanerin Hadley fliegt zu der Hochzeit ihres Vaters nach London und ist (natürlich) überhaupt nicht begeistert, dass dieser sich entschieden hat, ihrer Mutter „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Glücklicherweise verpasst sie ihren ersten Flug und trifft beim Warten auf Oliver, einen Briten, der in Yale studiert und für ein paar Tage zurück in seine Heimat fliegt. Die beiden verstehen sich (natürlich) direkt, sitzen dann (natürlich) nebeneinander im Flieger und vertreiben sich die lange Zeit in der Luft mit lustigen Gesprächen. Sie sind (natürlich) wie füreinander geschaffen, aber in Heathrow muss Hadley so schnell in ihr Taxi steigen, dass sie (natürlich) keine Kontaktdaten austauschen können. Ob sie sich trotzdem nochmal wiedersehen? Natürlich.

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This one roadtrip novel you should all read

Buchreview von Philipp Reinartz – Katerstimmung

Roadtrip-Werke sind ja immer so eine Sache. Oft zu absurd und übertrieben oder auch gern mal zu philosophisch nach dem Motto „es passiert wenig, aber wenigstens denken wir alle nach“. Philipp Reinartz ist diese Probleme galant umgangen und hat mit „Katerstimmung“ einen Roman geschrieben, der nur so vor Humor strotzt und gleichzeitig unsere Gesellschaft karikiert. (mehr …)

Looking after a very sick child was the Olympics of parenting

Kurzreview von Chris Cleave – Gold
Zwei Britinnen, ein Traum: in London olympisches Gold holen. Das ist auch eigentlich alles, was die beiden Bahnradfahrerinnen Kate und Zoe verbindet. Schließlich sind die beiden nicht nur ärgste Konkurrentinnen, sie gestalten ihre Zeit außerhalb des Velodroms auch sehr unterschiedlich: Zoe ist wegen ihrer Männergeschichten ständig in der Presse und prangt groß von den Werbetafeln, Kate hat sich für das Familienleben entschieden: sie und ihr Mann Jack, ebenfalls erfolgreicher Radfahrer, kümmern sich nonstop um ihre an Leukämie erkrankte Tochter Sophie. Weil aber außer Trainer Tom nur wenige Verständnis für diesen zeitintensiven, anstrengenden Beruf haben, sind Tom, Jack, Kate und Zoe ein eingeschworenes Team. Das bringt viel Zuneigung, aber auch viele Probleme, Geheimnisse und Intrigen mit sich.
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People go to LA to „find themselves“, they come to New York to become someone new

Review von Lindsey Kelk – I Heart New York (Verliebt, verlobt, Versace)

Bei der mehrtägigen Hochzeitsfeier ihrer besten Freundin erwischt Angela Clark ihren Langzeitfreund in flagranti mit seiner Affäre. Sie verhält sich so, wie sich wahrscheinlich jeder in diesem Moment verhalten würde: Laut ausrasten und damit die Party zum Desaster werden lassen. Doch damit nicht genug, Angela nimmt ihren Koffer und fliegt kurzerhand von London nach New York. Einfach so. Ohne Ortskenntnis, ohne Bekannte und mit den Ersparnissen für ihre nun geplatzte Trauung auf dem Konto. Zunächst checkt sie in das „The Union“-Hotel ein und lässt sich dort verwöhnen. Weil sie sich direkt mit Rezeptionistin Jenny anfreundet, findet sie aber schnell Anschluss und lernt alle Facetten New Yorks kennen. Klar, dass es auch das nötige Betrogen-Werden-Abwechslungsprogramm gibt (Shopping, Shopping, Shopping). Kurze Zeit später folgen Dates und ein Job, der sie mir nichts dir nichts komplett unabhängig von ihrem alten Leben macht. (mehr …)

Those corrupt colleagues

Kurzreview von Horst Eckert – Schwarzlicht

„Officer, Detective, Sergeant“ – es gibt so viele US-Thriller und Krimiserien auf dem Markt, dass man die amerikanischen Polizeiränge besser kennt als die deutschen. Da ist man dann schon mal verwirrt, wenn man zum Lokalkrimi „Schwarzlicht“ von Horst Eckert greift und auf einmal „Kommissare“ am Werk sind. Dafür sind die Thematiken einem umso bekannter: ermittelt wird in unserer Landeshauptstadt Düsseldorf, es ist von „Mutti Merkel“ die Rede, von Steuersünder-CDs und der RAF. Hauptperson ist Vincent Veih, seines Zeichens Kommissariatsleiter, Enkel eines Nazis und Sohn einer RAF-Terroristin. Sein neuester Fall dreht sich um Walter Castorp. Der Ministerpräsident NRWs hat in letzter Zeit so einige Schlagzeilen gemacht und scheint nun eine Woche vor der Landtagswahl ertrunken zu sein. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, da ist sich Herr Veih sicher und so ermittelt er schnell in einem Mordfall, der weitaus verzweigter ist, als es anfangs scheint. Ein überzeugender Thriller mit interessanten Figuren. Nicht durchweg spannend, aber mit ein paar überraschenden Wendungen. (Foto: Rowohlt Verlag)

The man who does not read good books has no advantage over the man who can’t read them

BuchmesseDie meisten Messen habe ich als Standparty-Hostess erlebt, wo ich abends betrunkene Anzugträger mit Bier versorgte. Auf der Frankfurter Buchmesse war ich aufgrund der Distanz allerdings noch nie. Weil Literatur aber schon zu meinen Interessen zählt (und ich ja auch gerne mal das ein oder andere Buch rezensiere), habe ich mich dieses Jahr einfach mal als Blogger registriert, mir eine Freundin geschnappt und den Fachbesucher- und Presse-Eröffnungstag in den Frankfurter Buchmessehallen verbracht. Anfangs war die totale Planungslosigkeit. Die meisten Besucher rannten schnurstracks zu ihren Terminen mit den anwesenden Verlagen, wir landeten mit dem Shuttle-Bus bei den Kinder- und Jugendmedien und fühlten uns angesichts der Masse der Bücher leicht erschlagen.
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Let your pen fall down and you’ll never find it again

Review von Katja Berlin/Peter Grünlich: Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt – die Welt in überwiegend lustigen Grafiken

Jeden Tag werden wir von neuen Statistiken heimgesucht: „So viele User sind bei Facebook aktiv“, „Die meisten Deutschen nutzen Toilettenpapier von XY“, „Der Umsatz von XX steigert sich um 10 Prozent“ – meist sind die Nummer-Meldungen von Unternehmen und Marken in Auftrag gegeben, dabei könnte man locker die lustigsten Statistiken aus unserem eigenen Alltag ziehen. Katja Berlin macht genau das: auf ihrem Blog sammelt sie Schaubilder, die die Eigenarten unseres Lebens dokumentieren. Das kommt so gut an, dass jetzt bereits das zweite Buch dazu erschienen ist: „Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt – die Welt in überwiegend lustigen Grafiken“ ist eine Sammlung der besten neuen Beiträge, ausgewählt von Katja Berlin und Peter Grünlich. Auf 208 Seiten finden sich „echt ausgedachte“ Torten-, Balken- Kreis- und andere Diagramme, die uns und unser Alltagsleben parodieren: Die Gedanken während einer Gedenkminute, der Aufenthaltsort von fallengelassenen Stiften oder die Zeitpunkte einer juckenden Nase – alles findet seinen Platz. Die Zeichnungen sind vornehmlich amüsant und lassen uns schmunzeln, stets mit dem Gedanken im Kopf „Hach, ich bin nicht der/die Einzige“. Aber auch Nachdenken darf man hin und wieder, zum Beispiel, wenn eine Zeichnung die Gründe für einen Auslandsaufenthalt darstellt (2013: Lebenslauf. Nix mehr mit Abenteuerlust!). (mehr …)

The bond of brotherhood and the fragility of youth

Kurzrezension „Jenseits der Untiefen“ von Favel Parrett (VÖ: 16.08.13)

Eine Schatzkiste, ein Surfparadies oder gruselige Untiefen – das Meer kann alles sein und die drei Brüder Joe, Miles und Harry sind unterschiedlicher Auffassung, welches Attribut vorherrschend ist. Ihr Leben an der tasmanischen Küste ist geprägt von Fischerei, Zukunftsangst und Einsamkeit. Halt gibt nur die Familie, dementsprechend halten die Geschwister zusammen. Doch wie soll man glücklich werden, wenn Mutter und Onkel tot sind, die Tante verbittert Zuhause sitzt, der Vater so unberechenbar ist wie das Meer? Favel Parretts Debütroman „Jenseits der Untiefen“ schildert die Probleme der Jungs, deckt alte Geheimnisse auf und zeigt die kleinen Freuden des Lebens. Der Ton ist so bedrückend, die Erzählung so ungewöhnlich, dass man das kurze Buch direkt verschlingt. Danach möchte man allerdings nicht mehr direkt ins Meer springen …

via Hoffmann and Campe / mit Dank an BUCHBOX

Love knows not distance; it hath no continent

Rezension zu „Ein Teelöffel Land und Meer“ von Dina Nayeri (erscheint heute!)

Vorderasien, ehemalige Monarchie, Golfkrieg, Menschenrechtsverletzungen. Schlagworte zum „Iran“ kann wohl jeder nennen, aber wie es dem Land wirklich ergangen ist oder in welcher Situation es sich zurzeit befindet – das erfährt man nur durch einheimische Kontakte oder Reisen. Oder mithilfe von Büchern: Autorin Dina Nayeri wurde während der Islamischen Revolution im Iran geboren und ist mit zehn Jahren nach Oklahoma emigriert. Mit ihrem Debütroman „Ein Teelöffel Land und Meer“ verarbeitet sie ihre iranischen Wurzeln und bringt uns die Landesgeschichte im kleinen Rahmen näher. (mehr …)