buch

The statistical probability of love at first sight

Review: Jennifer E. Smith – The statistical probability of love at first sight (Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick)

Young Adult Romane sind nie die anspruchsvollsten. Sie sind nette, kleine Büchlein für zwischendurch, die man im besten Fall an einem Abend verschlingt. Im besten Fall. „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ beschreibt zwar nur 24 Stunden, der Lesevorgang kann sich jedoch durchaus über eine Woche erstrecken. Mal hier, mal da eine Seite – die 216 an der Zahl plätschern lieber einfach nur vor sich hin. Vermutlich ist die Story einfach zu begrenzt: Die Amerikanerin Hadley fliegt zu der Hochzeit ihres Vaters nach London und ist (natürlich) überhaupt nicht begeistert, dass dieser sich entschieden hat, ihrer Mutter „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Glücklicherweise verpasst sie ihren ersten Flug und trifft beim Warten auf Oliver, einen Briten, der in Yale studiert und für ein paar Tage zurück in seine Heimat fliegt. Die beiden verstehen sich (natürlich) direkt, sitzen dann (natürlich) nebeneinander im Flieger und vertreiben sich die lange Zeit in der Luft mit lustigen Gesprächen. Sie sind (natürlich) wie füreinander geschaffen, aber in Heathrow muss Hadley so schnell in ihr Taxi steigen, dass sie (natürlich) keine Kontaktdaten austauschen können. Ob sie sich trotzdem nochmal wiedersehen? Natürlich.

(mehr …)

Even bad times have good things in them to make you feel alive

Review: „A Long Way Down“

Ob ein Selbstmord schon mal gescheitert ist, weil sich in genau dem Moment an genau dem Ort noch jemand anderes das Leben nehmen wollte? Nick Hornby bringt diese Situation in seinem jetzt verfilmten Roman „A Long Way Down“ ad absurdum: Gleich vier Personen möchten sich in der Silvesternacht auf einem Londoner Hochhaus das Leben nehmen: Talkmaster Martin (Pierce Brosnan), Vollzeit-Mutter Maureen (Toni Collette), Politikerkind und Partyqueen Jess (Imogen Poots) sowie der pizzaliefernde Musiker Jesse (Aaron Paul). Da ein Selbstmord mit wartenden Zuschauern nicht mehr so attraktiv erscheint wie zuvor, verbringen die vier stattdessen die Nacht miteinander und erzählen sich ihre Lebensgeschichten – allen voran natürlich den Grund für die Misere, aus der sie sich befreien wollen. Letztendlich schließen sie einen Pakt: bis zum Valentinstag bringt sich niemand um. In den folgenden sechs Wochen passen die Selbstmordgefährdeten aufeinander auf, freunden sich an und erlangen so sogar mediale Berühmtheit. Aber ob das ein Grund ist, am 14. Februar auf den tödlichen Sprung zu verzichten? (mehr …)

This one roadtrip novel you should all read

Buchreview von Philipp Reinartz – Katerstimmung

Roadtrip-Werke sind ja immer so eine Sache. Oft zu absurd und übertrieben oder auch gern mal zu philosophisch nach dem Motto „es passiert wenig, aber wenigstens denken wir alle nach“. Philipp Reinartz ist diese Probleme galant umgangen und hat mit „Katerstimmung“ einen Roman geschrieben, der nur so vor Humor strotzt und gleichzeitig unsere Gesellschaft karikiert. (mehr …)

Looking after a very sick child was the Olympics of parenting

Kurzreview von Chris Cleave – Gold
Zwei Britinnen, ein Traum: in London olympisches Gold holen. Das ist auch eigentlich alles, was die beiden Bahnradfahrerinnen Kate und Zoe verbindet. Schließlich sind die beiden nicht nur ärgste Konkurrentinnen, sie gestalten ihre Zeit außerhalb des Velodroms auch sehr unterschiedlich: Zoe ist wegen ihrer Männergeschichten ständig in der Presse und prangt groß von den Werbetafeln, Kate hat sich für das Familienleben entschieden: sie und ihr Mann Jack, ebenfalls erfolgreicher Radfahrer, kümmern sich nonstop um ihre an Leukämie erkrankte Tochter Sophie. Weil aber außer Trainer Tom nur wenige Verständnis für diesen zeitintensiven, anstrengenden Beruf haben, sind Tom, Jack, Kate und Zoe ein eingeschworenes Team. Das bringt viel Zuneigung, aber auch viele Probleme, Geheimnisse und Intrigen mit sich.
(mehr …)

Love knows not distance; it hath no continent

Rezension zu „Ein Teelöffel Land und Meer“ von Dina Nayeri (erscheint heute!)

Vorderasien, ehemalige Monarchie, Golfkrieg, Menschenrechtsverletzungen. Schlagworte zum „Iran“ kann wohl jeder nennen, aber wie es dem Land wirklich ergangen ist oder in welcher Situation es sich zurzeit befindet – das erfährt man nur durch einheimische Kontakte oder Reisen. Oder mithilfe von Büchern: Autorin Dina Nayeri wurde während der Islamischen Revolution im Iran geboren und ist mit zehn Jahren nach Oklahoma emigriert. Mit ihrem Debütroman „Ein Teelöffel Land und Meer“ verarbeitet sie ihre iranischen Wurzeln und bringt uns die Landesgeschichte im kleinen Rahmen näher. (mehr …)

If only we could see the endless string of consequences that result from our smallest actions. But we can’t know better until knowing better is useless.

buechertippsNicht immer hat man Zeit, langatmige Rezensionen zu lesen. Also stell ich euch hier einfach mal drei Bücher in Kurzfassung vor. Alle sind auf ihre Art und Weise lesenwert. (mehr …)

Miami is not only exciting, it’s red hot

Wenn man als Deutscher „Miami“ hört, denkt man wohl an Sommer, Sonne, Rentner und die Fernsehserie „Dexter“. Dabei sind kulturelle Differenzen und Herkunftsdiskrepanzen eine nicht zu vergessende Eigenschaft Floridas bzw. Miamis. Kultautor Tom Wolfe beschäftigt sich in seinem neuesten Buch „Back to Blood“ mit eben jenen Migrationskonflikten.

Muskelprotz Nestor Camacho bringt die Kubaner gegen sich auf, als er mit seinen americano-Polizeikollegen einen illegalen Einwanderer auf spektakulärste Art und Weise vor der endgültigen Ankunft in Miami hindert. Jetzt ist er zwar Fernsehstar, bei seinen Landsmännern aber unten durch. Und das ist nicht sein einziger Verstoß gegen die „Rassenetiquette“, denn kurz danach legt er sich mit den Haitianern an. Auch „Miami Herald“-Reporter John Smith sucht die Konfrontation. Er kann als Prototyp-WASP (White Anglo Saxon Protestant) einfach nicht akzeptieren, dass die Russen die wahren Herren Miamis sind und wühlt verzweifelt im Dreck nach der ganz großen Story. Die schöne Krankenschwester Madgalena macht sich aus den verschiedenen Klassenhierarchien gar nichts – solange sie oben steht. Das geht als ungebildete Kubanerin natürlich nur mit einem reichen Mann an ihrer Seite. Leider ist ihr derzeitiger Liebhaber, ein amerikanischer Sexsucht-Psychiater, aber etwas eigen.  (mehr …)

The marks humans leave are too often scars

Review von John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter („The Fault in Our Stars“)

Wäre das Blogging-Netzwerk tumblr ein Beliebtheitswettbewerb, so würde John Green immer auf dem Treppchen landen: Der Schriftsteller aus Indiana wird dort dermaßen oft zitiert, dass er selbst alte Giganten wie Shakespeare oder Bukowski überholen würde – und dabei ist der Amerikaner noch gut im Geschäft. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist sein neuester Streich. Ein Jugendbuch per definitionem, jedoch eigentlich durchaus ein Roman für alle Literaturfans. (mehr …)

The world was silent when we died

Weil ja sonst nichts passiert: Review von Chimamanda Ngozi Adichies Roman „Half of a Yellow Sun“

Die Neueste Geschichte Afrikas ist so blutig und brutal, dass jeder Vergleich unangebracht wäre. Ehemalige britische Kolonialstaaten wie Australien oder Kanada konnten mit der Unabhängigkeit zu sich selbst finden, doch auf dem afrikanischen Kontinent verschwand mit dem Ende des British Empire nur die aufgezwungene britische Regierung, nicht etwa die Diktatur.  Es folgten skrupellose Militärregimes, verbunden mit grausamen Bürgerkriegen. Insbesondere die 1960er Jahre, die Zeit, in der die meisten afrikanischen Staaten unabhängig wurden, sind kaum greifbar aus europäischer Sicht. Im Afrika der 60er Jahre gibt es kein Nationalgefühl, keine Bürgerrechtsbewegungen und keinen Feminismus. Es gibt künstliche Grenzen für rivalisierende Stämme, alte Denkweisen im Einklang mit neuen Waffen und neureichen Wichtigtuern. Einheimische schießen auf Einheimische, der Rest der Welt verschließt die Augen vor dem afrikanischen Elend. „The world was silent when we died“ (Die Welt hat geschwiegen, als wir starben) ist kein daher gesagter Satz, sondern pure Wahrheit. (mehr …)