rezension

Those corrupt colleagues

Kurzreview von Horst Eckert – Schwarzlicht

„Officer, Detective, Sergeant“ – es gibt so viele US-Thriller und Krimiserien auf dem Markt, dass man die amerikanischen Polizeiränge besser kennt als die deutschen. Da ist man dann schon mal verwirrt, wenn man zum Lokalkrimi „Schwarzlicht“ von Horst Eckert greift und auf einmal „Kommissare“ am Werk sind. Dafür sind die Thematiken einem umso bekannter: ermittelt wird in unserer Landeshauptstadt Düsseldorf, es ist von „Mutti Merkel“ die Rede, von Steuersünder-CDs und der RAF. Hauptperson ist Vincent Veih, seines Zeichens Kommissariatsleiter, Enkel eines Nazis und Sohn einer RAF-Terroristin. Sein neuester Fall dreht sich um Walter Castorp. Der Ministerpräsident NRWs hat in letzter Zeit so einige Schlagzeilen gemacht und scheint nun eine Woche vor der Landtagswahl ertrunken zu sein. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, da ist sich Herr Veih sicher und so ermittelt er schnell in einem Mordfall, der weitaus verzweigter ist, als es anfangs scheint. Ein überzeugender Thriller mit interessanten Figuren. Nicht durchweg spannend, aber mit ein paar überraschenden Wendungen. (Foto: Rowohlt Verlag)

Let your pen fall down and you’ll never find it again

Review von Katja Berlin/Peter Grünlich: Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt – die Welt in überwiegend lustigen Grafiken

Jeden Tag werden wir von neuen Statistiken heimgesucht: „So viele User sind bei Facebook aktiv“, „Die meisten Deutschen nutzen Toilettenpapier von XY“, „Der Umsatz von XX steigert sich um 10 Prozent“ – meist sind die Nummer-Meldungen von Unternehmen und Marken in Auftrag gegeben, dabei könnte man locker die lustigsten Statistiken aus unserem eigenen Alltag ziehen. Katja Berlin macht genau das: auf ihrem Blog sammelt sie Schaubilder, die die Eigenarten unseres Lebens dokumentieren. Das kommt so gut an, dass jetzt bereits das zweite Buch dazu erschienen ist: „Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt – die Welt in überwiegend lustigen Grafiken“ ist eine Sammlung der besten neuen Beiträge, ausgewählt von Katja Berlin und Peter Grünlich. Auf 208 Seiten finden sich „echt ausgedachte“ Torten-, Balken- Kreis- und andere Diagramme, die uns und unser Alltagsleben parodieren: Die Gedanken während einer Gedenkminute, der Aufenthaltsort von fallengelassenen Stiften oder die Zeitpunkte einer juckenden Nase – alles findet seinen Platz. Die Zeichnungen sind vornehmlich amüsant und lassen uns schmunzeln, stets mit dem Gedanken im Kopf „Hach, ich bin nicht der/die Einzige“. Aber auch Nachdenken darf man hin und wieder, zum Beispiel, wenn eine Zeichnung die Gründe für einen Auslandsaufenthalt darstellt (2013: Lebenslauf. Nix mehr mit Abenteuerlust!). (mehr …)

The bond of brotherhood and the fragility of youth

Kurzrezension „Jenseits der Untiefen“ von Favel Parrett (VÖ: 16.08.13)

Eine Schatzkiste, ein Surfparadies oder gruselige Untiefen – das Meer kann alles sein und die drei Brüder Joe, Miles und Harry sind unterschiedlicher Auffassung, welches Attribut vorherrschend ist. Ihr Leben an der tasmanischen Küste ist geprägt von Fischerei, Zukunftsangst und Einsamkeit. Halt gibt nur die Familie, dementsprechend halten die Geschwister zusammen. Doch wie soll man glücklich werden, wenn Mutter und Onkel tot sind, die Tante verbittert Zuhause sitzt, der Vater so unberechenbar ist wie das Meer? Favel Parretts Debütroman „Jenseits der Untiefen“ schildert die Probleme der Jungs, deckt alte Geheimnisse auf und zeigt die kleinen Freuden des Lebens. Der Ton ist so bedrückend, die Erzählung so ungewöhnlich, dass man das kurze Buch direkt verschlingt. Danach möchte man allerdings nicht mehr direkt ins Meer springen …

via Hoffmann and Campe / mit Dank an BUCHBOX

Join the wetlands

Charlotte Roche hat es schon wieder geschafft. Erneut ist „Feuchtgebiete“ in aller Munde. Dabei hat außer der Presse noch niemand den dazugehörigen Film gesehen. Der Trailer reicht völlig aus. Er ist sogar so blutig und so-viel-Haut-das-einem-schlecht-wird-zeigend, dass Google, Youtube und Facebook ihn nur zensiert veröffentlichen. Auf der Homepage des Films gibt’s den Trailer natürlich trotzdem unzensiert und auf welt.de schon mal eine erste, ehrliche Meinung. Meine Meinung dazu steht allerdings schon fest, seitdem ich damals das erste Kapitel des Hörbuchs an- und wegklickte.

I wanna be everything that I’m not

Review von Swim Deep – Where The Heaven Are We (VÖ: 05.08.13) Swim Deep dürften hierzulande nur Indie-Szenekennern und Hurricane-Besuchern ein Begriff sein. Von nun an wird sich das allerdings ändern, denn die jungen Typen in ihren Batikshirts und Möhrenjeans werden von Sony vermarktet, von großen Konzertagenturen gebucht und, ach ja, ein Album – das Debüt – gibt es jetzt auch noch aktiv zu promoten.

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Love knows not distance; it hath no continent

Rezension zu „Ein Teelöffel Land und Meer“ von Dina Nayeri (erscheint heute!)

Vorderasien, ehemalige Monarchie, Golfkrieg, Menschenrechtsverletzungen. Schlagworte zum „Iran“ kann wohl jeder nennen, aber wie es dem Land wirklich ergangen ist oder in welcher Situation es sich zurzeit befindet – das erfährt man nur durch einheimische Kontakte oder Reisen. Oder mithilfe von Büchern: Autorin Dina Nayeri wurde während der Islamischen Revolution im Iran geboren und ist mit zehn Jahren nach Oklahoma emigriert. Mit ihrem Debütroman „Ein Teelöffel Land und Meer“ verarbeitet sie ihre iranischen Wurzeln und bringt uns die Landesgeschichte im kleinen Rahmen näher. (mehr …)

This is the life that keeps us shining

Alben mit mehreren unnötigen Ausrufezeichen im Titel werden im Prinzip einfach direkt links liegen gelassen. So wäre auch „Coming Back Soon!!!“ vermutlich niemals angehört worden, wenn es sich bei den verantwortlichen Musikern nicht um die Nachfolgeband von Chelsy handeln würde. Chelsy als kleine, aber feine Indieband ist nun nämlich Geschichte und das anfängliche Nebenprojekt des ehemaligen Frontmanns rückt damit in den Vordergrund: „The Great Faults“ nennen sich die zwei Mülheimer Martin Arlo Kroll und Johannes Woodrow Wagner. (mehr …)

At the time, I thought „Chow“ was like „goodbye“

Review von „The Hangover 3“

By Manujrb (CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons)

Erst ein Überraschungshit, dann dank Fortsetzung die Komödie mit dem besten Einspielergebnis aller Zeiten: Die „Hangover“-Filme sind eine Klasse für sich. Jetzt läuft der letzte Teil der Trilogie im Kino. Beim Start sind bundesweit fast alle Kino-Server unter dem enormen Reservierungsansturm zusammengebrochen. Dabei lohnt sich der Weg ins Lichtspielhaus gar nicht … (mehr …)

I’m still fucking angry

Review von boysetsfire – While A Nation Sleeps …

Dieses ständige “Wir lösen uns für immer auf und machen dann doch eine Reunion”-Gehabe ist mittlerweile nur noch nervig und langweilig. Wer Boysetsfire nach der überraschenden Wiedervereinigung noch einmal live gesehen hat, merkte allerdings: die falsche Pause hat zumindest dieser Band echt gut getan. Besetzungswechsel, Label-Konflikte – das alles haben die Hardcore-Urgesteine erfolgreich hinter sich gelassen. Jetzt erscheint nach sieben Jahren am siebten Juni ihr neues Album „While A Nation Sleeps…“.
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If only we could see the endless string of consequences that result from our smallest actions. But we can’t know better until knowing better is useless.

buechertippsNicht immer hat man Zeit, langatmige Rezensionen zu lesen. Also stell ich euch hier einfach mal drei Bücher in Kurzfassung vor. Alle sind auf ihre Art und Weise lesenwert. (mehr …)